Mittwoch, 6. Dezember 2017

[Rez(ept)ension] "Starfall. So nah wie die Unendlichkeit" von Jennifer Wolf


Dies ist ein Einzelband, welcher am 07.12.2017 beim Impress Verlag erschienen ist und von der Autorin Jennifer Wolf geschrieben wurde. Das Buch ist bislang nur als E-Book erschienen und umfasst 325 Seiten bei einem Preis von 3,99€. Das Buch wurde als Einzelband angekündigt.


**Zwischen uns nur die Sterne**
Die 17-jährige Melody lebt mit ihrer Familie innerhalb einer Militärbasis von Washington D.C. und führt ein abgesichertes, geschütztes Leben, als das Undenkbare passiert: Ein UFO stürzt aus dem Himmel und legt mitten in der Hauptstadt der Vereinigten Staaten eine Bruchlandung hin. Während wie von Geisterhand alle Glasscheiben zu Bruch gehen, der Strom schlagartig ausfällt und in den Straßen das Chaos ausbricht, geht plötzlich alles rasend schnell. Melodys Bruder wird schwerverletzt wegtransportiert und ihre Mutter übernimmt als Ärztin des Militärkrankenhauses die Behandlung der außerirdischen Neuankömmlinge. Und dann soll auch noch ausgerechnet Melodys Familie am Projekt ›Ohana‹ teilnehmen und einen vollkommen traumatisierten Jungen aus dem All aufnehmen…
»Starfall. So nah wie die Unendlichkeit« ist ein in sich abgeschlossener Einzelband.


„Es geschah an einem ganz normalen Tag.“ (Pos. 37)

 

Ich liebe die Jahreszeiten-Reihe der Autorin abgöttisch, allerdings hat die Autorin auch schon ganz viele andere wundervolle Geschichten veröffentlicht. Diese kenne ich auch zum Teil und bislang hat mich die Autorin noch bei keinem Buch und bei keiner Kurzgeschichte enttäuscht. Meine Erwartungen sind demnach sehr hoch. Zudem finde ich das Thema des Buches sehr interessant, da sich bestimmt schon jeder mal mit der Frage nach der Existenz der Aliens beschäftigt hat. Die Autorin versucht sich nun an dem Szenario des Ufoabsturzes auf der Erde. Ich bin sehr gespannt was sie daraus macht, denn die Autorin scheut sich auch nicht schwierige Themen anzugehen und ganz menschlich zu verpacken.


Das Cover zeigt eine junge Frau mit braunen, gelockten Haaren, welche rechts bis mittig darauf abgebildet ist. Sie nimmt ihre Hände vor die Brust, so dass die Handflächen einander zugeneigt sind, und spreizt die Finger. Ihren Kopf hält sie leicht erhoben, er ist nach links geneigt und ihren Blick richtet sie dabei direkt auf den Leser. Sie ist leicht geschminkt und sie trägt ein schwarzes Kleid, welches an den Trägern aus Spitze zu bestehen scheint, dann aber in eine Art schwarzen Nebel übergeht und der sich an der linken Seite des Covers nach oben rankt. Der Eyecatcher des Covers liegt allerdings an den unzähligen kleinen und größeren weißen Punkten, die auf dem nicht gleichmäßig dunkelblauen Hintergrund wie Sterne im Universum erscheinen. Der Titel ist auch sehr schön in Silber in der unteren Hälfte zu sehen. Ich weiß ja nicht wie es euch geht, aber ist dieses Cover nicht einfach der Wahnsinn? Ich liebe es. Es ist so traumhaft, mir fehlen die Worte, um zu beschreiben wie wunderschön es ist. Ich glaube es reicht zu sagen, dass ich Bilder des Universums generell sehr mag und nun lasse ich das Cover einfach unkommentiert- lasst es selbst auf euch wirken.


Bevor ich meine Rezension richtig beginne muss ich tief durchatmen, denn ich habe keinesfalls das Gefühl diesem Buch auch nur im Entferntesten durch meine geschriebenen Worte gerecht zu werden. Ich probiere mein Möglichstes, allerdings gleich der Appell vorweg: Kauft es, lest es, liebt es und dann tragt es in die Welt hinaus.

Die Autorin beginnt ihr Buch noch vor dem Prolog mit einer kleinen Ansprache an alle Amerikaner und Amerikanerinnen. In dieser erläutert sie kurz, warum sie den jetzigen Präsidenten Trump kurzerhand ersetzt hat. Später erfahren wir, dass er durch die fiktive Präsidentin Michelle ersetzt wurde, was mich zu dem Schluss bringt, dass damit nur Michelle Obama gemeint sein kann. Ich möchte mich nicht allzu sehr politisch äußern, aber ich bin da ganz bei der Autorin. Auch ich könnte mir nicht vorstellen, dass Trump die Aliens friedlich auf der Erde aufgenommen hätte. Von daher stehe ich voll und ganz hinter der Entscheidung der Autorin.

Der Schreibstil ist wie immer sehr flüssig und einprägsam. Er transportiert sehr viele Emotionen und besticht durch eine Mischung aus Komplexität und dennoch Einfachheit. Das ist am besten dadurch zu erklären, dass die Sätze nie zu kompliziert oder zu sind, aber dennoch von der Botschaft und den Gefühlen her so viel ausdrücken. Ich hatte oft ein Gänsehaut-Gefühl, weil die Botschaft der Autorin so tief unter die Haut ging. Ich hoffe man kann verstehen was ich meine, wenn nicht rate ich euch einfach zur Leseprobe zu greifen. Die Geschichte wird einstimmig aus der Perspektive unserer Protagonistin Melody erzählt. Ich hätte mir manchmal sehr die Perspektive von Neven gewünscht, allerdings kann ich auch nachvollziehen, warum die Autorin es nicht getan hat.

Melody ist 17 Jahre alt und lebt zusammen mit ihrer Mutter und ihrem Halbbruder Felix auf einer Militärbasis in Washington D.C., da ihre Mutter eine berühmte Ärztin ist und beim Militär arbeitet. Melody als Protagonistin hat mir sehr gut gefallen, da sie ein sehr mitfühlender Mensch ist. Sie liebt ihre Mutter und ihren Halbbruder Felix über alles und das spürt man. Besonders gut gefallen hat mir, dass sie eine große Entwicklung durchläuft und von ihrer Abwehrhaltung gegenüber Aliens von ihrem großen Herzen und ihrem Mitgefühl übermannt wird. Nicht jeder hat ein größeres Herz als die Angst groß ist und das rechne ich ihr hoch an. Während ein großer Teil der Welt den Aliens nur Hass und Angst entgegenbringt, so kann sie ihr Herz vor den schrecklichen Dingen, welche den Aliens wiederfahren sind, nicht verschließen und das, obwohl Felix bei der Ankunft der Aliens durch Glasscherben stark verletzt wird und ins Krankenhaus kommt. Melodys Leben ändert sich mit dem Absturz des Ufos dramatisch und sogar mehr, als das einiger anderer Menschen. Dennoch besitzt sie die Stärke und die Kraft in diesen Zeiten zu lieben. Sie lehrt uns das Liebe stärker als Hass ist.

Als Melodys Familie am Projekt ›Ohana‹ teilnimmt, geschieht das gegen Melodys Willen und sie ist alles andere als begeistert davon einen Alien in ihrer Nähe zu haben. Doch Neven wäre nicht Neven, wenn er durch seine einzigartige Entwicklung nicht Melodys Herz zum Schmelzen bringen würde. Der Alien Neven wird ungefähr auf das menschliche Alter von 20 Jahren geschätzt und hat zwei unglaublich wundervolle verschiedenfarbige Augen: Blau mit Braun und Grün und Dunkelblau. Am Anfang erfahren wir nicht so viel über Neven, jedoch merkt man schnell, dass er eine gequälte Seele hat. Zudem ist er sehr ausgehungert und schwach. Er beherrscht die Sprache von Melody nicht und versteht damit anfangs sehr wenig, sodass er nicht durch großen Redeanteil auffällt. Allerdings schafft es Neven sich mit Melody auf ihre ganz eigene Weise zu verständigen. Das hat mir Tränen in die Augen getrieben, denn wo ein Wille ist, da ist auch ein Weg. Er macht im Laufe des Buches eine enorme Entwicklung durch und nicht selten habe ich einen Kloß im Hals gehabt. Was er alles erleben und durchstehen musste… da wird mir ganz anders.

Deswegen empfand ich das Buch auch als wirklich gelungen. Ich möchte niemanden spoilern, aber zwischendurch war ich wirklich in Tränen aufgelöst. Irgendwann, so um die 30%, konnte ich das Buch nicht mehr aus der Hand legen. Ich musste einfach immer weiter und weiter lesen, obwohl es mittlerweile schon sehr spät war. Ich habe mich quasi gezwungen das Buch wegzulegen und zu schlafen. Ich war total gefangen von dieser Welt, von den Charakteren und der sich langsam entwickelnden Liebesbeziehung zwischen Melody und Neven. Diese Beziehung ist allerdings mit keiner mir bisher bekannten zu vergleichen, denn sie ist einzigartig. Sie verstehen sich trotz der Sprachprobleme, einfach mit dem Herzen. Was sie alles im Laufe der Geschichte erleiden mussten hat mich nicht nur einmal in Tränen aufgelöst, mein Herz zum Rasen gebracht und mich mitfiebern lassen. Es gab zwar nicht viele Plottwists und auch kaum unerwartete Wendungen, aber alleine durch das, was den Protagonisten geschieht, schafft die Autorin zu überzeugen. Die Dramatik ist praktisch aus meinem Kindle gekrochen und hat mein armes Herz zum Bluten gebracht! Ich habe so sehr mit ihnen mitgefiebert, dass ich immer wissen wollte wie es weitergeht und das Buch dann wirklich schnell ausgelesen war.

Das Ende kam dann dementsprechend etwas plötzlich. Ich fand es als das Mindeste, dass uns sie Autorin einen Einblick in das weitere Leben der Charaktere gibt und sogar einige Jahre in die Zukunft blickt. Allerdings hätte ich dann doch wirklich gerne einen zweiten Band gehabt. Jetzt wird es doch gerade erst so richtig spannend! Ich würde so gerne wissen wie es weitergeht und vielleicht, ganz vielleicht, entscheidet sich die Autorin ja für eine andere Sichtweise, die vielleicht in der Zukunft spielt, wo sich die Aliens schon etwas eingelebt haben. Ich drücke uns allen die Daumen, dass dies möglich wird, denn ich kann noch lange nicht mit dieser Geschichte abschließen. Ich schreibe diese Rezension also mit einem weinenden und einem lachenden Auge. Liebe Jennifer, wenn du das hier lesen solltest: Bitte, schenk uns mehr von Leesch!

Ganz zum Schluss möchte ich noch auf ein eher heikles Thema eingehen. Das Buch spielt mit den Flüchtlingen aus dem All, meiner Meinung, stark auf die Flüchtlingskrise hierzulande an. In diesem Fall sind die Flüchtlinge Aliens, welche allerdings nicht vor Krieg fliehen, sondern vor seelischer und körperlicher Misshandlung- oder ist das nicht dasselbe? Die Botschaft, welche uns die Autorin unterschwellig zu vermitteln versucht und zwar, dass Liebe stärker als Hass ist, kommt deutlich bei mir an. Ich habe die Situation auf die Flüchtlinge übertragen, denn auch sie sind geflohen in ein für sie fremdes Land, sie beherrschen nicht unsere Sprache und unsere Kultur, sie sind auf uns angewiesen und vor allem: Sie verdienen ein glückliches Leben. Ich weiß, dass es nicht alle so sehen werden wie ich, aber für mich gibt es keine Unterschiede: Mensch ist Mensch. Unsere Aliens allerdings fliehen sogar auf einen anderen Planeten und obwohl es Aliens sind, so sind sie doch nicht weniger wert als wir. Ihr Lieben, lasst uns Liebe verbreiten und nicht Hass, lasst uns freundlich sein und nicht hetzen, lasst uns offen sein und nicht verschlossen, lasst uns mitfühlen und unser Herz nicht mit einer Festung umgeben, lasst uns ganz einfach menschlich sein.


Wer ein wirklich emotionales Buch sucht und sich nicht davor fürchtet sein Herz an einen Außerirdischen zu verlieren, dem kann ich das Buch nur wärmstens empfehlen. Die Charaktere wissen, wie sie den Leser ans Buch fesseln und überzeugen alleine durch ihre Gefühle, ganz ohne große Plottwists, sondern ‚nur‘ mit vielen dramatischen Ereignissen. Das Buch vermittelt außerdem eine sehr wichtige Botschaft und zwar die der Liebe! Ich wünschte, das Buch würden alle lesen und es sich zu Herzen nehmen. Für mich eine absolute Leseempfehlung, welche ich mit 5 Cookies ehre. Ich hätte so gerne noch einen Folgeband, denn auch wenn die Geschichte vorbei ist, so spinnt mein Gehirn sie doch immer weiter und man könnte noch so viel mehr darüber erzählen. Das Buch ist jedoch tatsächlich in sich abgeschlossen und beantwortet alle offenen Fragen. Kauft es, ihr werdet es nicht bereuen, wenn ihr an die Liebe glaubt.


Ich möchte mich recht herzlich beim Impress Verlag und NetGalley für die Bereitstellung des Rezensionsexemplars bedanken.


Schaut doch auch mal bei der Blogtour vorbei :)!

http://netzwerk-agentur-bookmark.com/2017/12/03/starfall-so-nah-wie-die-unendlichkeit-von-jennifer-wolf/

Kommentare:

  1. Ein echt cooler Beitrag und schön zu lesen ist :-)
    Lieben Dank und eine weitere schöne Adventszeit wünsche, Jenny

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  2. Wunderschön geschrieben und wow einfach toll deine Rezension ❤️
    Dankeschön

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  3. Was für eine süße Aufbauidee.

    ♥liche Grüße - Lenchen

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